Saisonrückblick – Das Meisterstück des Patrick Assenheimer

Neun Rennen, vier Siege, zwei Titel – Patrick Assenheimer hat mit seinem AutoArenA-AMG der VLN-Saison 2019 ganz eindeutig seinen Stempel aufgedrückt. Und das, nachdem ihm in den letzten Jahren das Pech nur so an den Hacken klebte. Darüber hinaus konnte er auch auf europäischer Ebene in der Blancpain GT Series seine Duftmarken setzen und einen weiteren Titel erringen. Wir blicken zurück auf eine unglaublich erfolgreiche Saison unseres Mit-Autors, der uns zu allen Rennen seinen Kommentar abgab.

Die Nordschleife – wo alles begann

Mit einem GT3-Boliden in der berühmten “Grüne Hölle” – für fast alle Piloten dieser Welt ist dies die wohl größte Herausforderung im Rennsport. Der Heilbronner Patrick Assenheimer stellt sich seit vielen Jahren dieser Herausforderung. Mehr noch, die Nürburgring Nordschleife ist seine motorsportliche Heimat. Hier begann das Abenteuer “AutoArenA Motorsport” seines elterlichen Autohauses Assenheimer-Mulfinger. Was dereinst als reines Mitarbeiter-Projekt mit einem 190er Baby-Benz begann, entwickelte sich über die Jahre und den kultigen 204er AutoArenA-Benz bis hin zu einem hoch professionellem Unterfangen im ADAC GT Masters, beim 24h-Rennen und natürlich in der VLN.

Nachdem man im letzten Jahr mit dem exklusiven Reifen-Partner Hankook nur Mittelfeld-Ergebnisse in der VLN einfahren konnte, konnte Patrick direkt nach dem Wechsel auf Michelin-Pneus in den letzten beiden Saison-Rennen mit seinem Debüt-Sieg und einem zweiten Platz zeigen, was in ihm steckt. Für 2019 schnürte AutoArenA ein nochmals schärferes Paket. Mit dem Wechsel zum Siegteam Black Falcon und absolut hochkarätigen Teamkollegen aus dem AMG-Kader sollte endlich der endgültige Durchbruch erfolgen.

VLN 1 – Wieder großes Pech

Los ging die Saison 2019 Ende März mit dem ersten VLN-Rennen auf dem Nürburgring. Und es sah so aus, als ob das Pech Patrick Assenheimer wieder eingeholt hätte. Nach gutem Qualifying kam der AutoArenA-AMG im Rennen nicht einmal eine Runde weit, bevor er von einem anderen Fahrzeug unverschuldet aus dem Rennen gerissen wurde. “Natürlich bin ich sehr enttäuscht, dass das Rennen unverschuldet schon in der ersten Runde vorbei war und ich nicht zum Fahren gekommen bin. Ärgerlich ist vor allem, dass wir leider keine wichtigen Erfahrungswerte für das 24h-Rennen sammeln konnten.”

Blancpain Monza – erstes Podium im Silver Cup

Nur wenige Wochen später stand für Patrick der erste Einsatz im Blancpain Endurance Cup in Monza auf dem Programm. Hierfür ließ er das zeitgleich stattfindende zweite VLN-Rennen aus. Eine gute Entscheidung, musste dieses doch wegen Schneefalls abgesagt werden. In Monza hingegen konnte Patrick mit seinen Teamkollegen Hubert Haupt und Gabriele Piana den ersten Podiumsplatz der Saison einfahren und wurden Zweite im Silver Cup. Und es sollten noch viele weitere Podien folgen… “Was für ein Rennen! Platz 2 im Silber Cup und Gesamt Platz 5. Vielen Dank an das Team von Black Falcon und deren Mechanikern für das gute Auto und an meine Fahrerkollegen Hubert Haupt und Gabriele Piana.”

VLN 3 – 7. Platz und Testlauf für das 24h-Rennen

Beim darauf folgenden dritten VLN-Lauf, der noch vor dem großen 24h-Rennen stattfand, stand die Vorbereitung auf das Saisonhighlight im Vordergrund. Bei teilweise sintflutartigen Regenfällen und schwierigsten Bedingungen fuhren Patrick Assenheimer und seine Teamkollegen Nico Bastian und Yelmer Buurman einen soliden siebten Platz heraus, ohne dabei zu viel Risiko einzugehen. Dabei sammelten Team und Fahrer viele Erfahrungen für das große Rennen.  “Für uns war es wichtig, ohne großes Risiko unfallfrei nach 4 Stunden die Ziellinie zu überqueren und wichtige Informationen zu sammeln.”

Blancpain Silverstone – Wechselbad der Gefühle

Direkt im Anschluss ging es nach Silverstone, wo der nächste Lauf des Blancpain Endurance Cup anstand. Hier erlebte Patrick ein Wechselbad der Gefühle. Durch einen Abbruch im Qualifying musste das Black-Falcon-Trio vom 43. Startplatz ins Rennen gehen. Mit einem fehlerlosen und beherzten Rennen konnten sich die Piloten noch bis auf den 12. Rang nach vorn kämpfen, was gleichbedeutend mit dem zweiten Platz im Silver Cup war. Leider wurde Schlussfahrer Piana am Ende von einem Porsche gerammt, was das Auto wieder weit zurück warf. “Das Wochenende war ein Wechselbad der Gefühle. Frust im Qualifying, jedoch viel Hoffnung und Glück zu Beginn und bis nach 2/3 des Rennens. Dann am Ende, noch so ein Pech!“

24h-Qualirennen – 5. Platz und bester Mercedes trotz Zeitstrafe

Weiter ging es mit dem Qualifikationsrennen für die 24 Stunden auf dem Nürburgring. Im Qualifying bewies die Mannschaft, dass sie zu den Top-Favoriten gehörte und fuhr die Pole Position heraus. Leider hatte die Crew sich in der Anfangsphase des 6h-Rennens eine Zeitstrafe eingehandelt, weshalb man auf Rang 16 zurück fiel. Mit perfekten Boxenstopps und schnellen Runden konnte sich das Fahrerquartett mit Schlussfahrer Assenheimer wieder bis auf Rang 5 vorkämpfen und war somit bester Mercedes. “Nach der Zeitstrafe hat keiner mehr daran geglaubt, dass wir am Schluss der schnellste Mercedes im Feld werden. Wichtig ist, wir haben uns über die Pole Position  schon vorab für die Top 30 qualifiziert. Platz 5 im Qualifying Rennen lässt mich zuversichtlich für das 24h Rennen in 4 Wochen sein.”

Blancpain Paul Ricard – hartes Rennen mit 3. Platz belohnt

Bevor es aber zum 24h-Rennen ging, stand noch de nächste Lauf im Endurance Cup an. Diesmal ging es nach Frankreich, wo in Paul Ricard ein 6h-Rennen stattfand. Mit einem 14. Gesamtrang und einem weiteren Podiumsplatz im Silvercup hielten sich Assenheimer und seine Fahrerkollegen noch alle Meisterschaftschancen in dieser Wertung offen. “Ein sehr hartes Rennen. Freuen uns riesig, dass wir es auf dem Podium beenden konnten. Danke an meine Fahrerkollegen und das Team Black Falcon.”

24h-Rennen- Ausfall auf Podiumskurs liegend

Dann war es endlich soweit, das große 24h-Rennen auf dem Nürburgring stand an. Mit dem sechsten Startplatz lag man noch voll im Soll. Im Rennen kämpfte sich der AutoArenA-AMG über die Runden und lag bis 2,5h vor der Zielflagge auf Podiumskurs, als Fahrer Nico Bastian durch einen technischen Fehler die Gewalt über den GT3 verlor und in die Leitplanke einschlug. Aus der Traum vom 24h-Podest! “Ein unbeschreibliches Rennen. Motorsport auf höchstem Niveau. Das Podium zum Greifen nah und dann überraschend das Aus…”

VLN 4 – Der erste Saisonsieg

Nach dem 24h-Rennen sollte die Saison von Patrick Assenheimer erst so richtig Fahrt aufnehmen. Bereits beim folgenden VLN-Rennen konnte der Heilbronner sich zum ersten Mal in diesem Jahr in die Siegerliste eintragen. Zusammen mit dem Nordschleifen-Crack Manuel Metzger ließ er sich von den harten Kämpfen im Feld nicht aufhalten. Metzger zeigte im Schlussstint nochmal all sein Können und rang die Gegner nieder. “Wahnsinn, einfach nur genial! Ein gigantisches Rennen mit allem, was dazu gehört. Tolle Überholmanöver und starke Zweikämpfe. Vielen Dank an Manuel und das Team Black Falcon.”

24h Spa – weiteres Podium im Silvercup

Derart motiviert ging es zum nächsten Saison-Highlight, nämlich den 24h von Spa Francorchamps. Hier konnten die Piloten Assenheimer, Haupt und Piana zwar nur den 46. Startplatz einfahren, sich dann im Rennen aber mit einer soliden Leistung unter schwersten Wetterbedingungen bis auf den 24. Gesamtrang vorkämpfen und somit wieder einmal im Silver Cup auf dem Podium stehen. “Ich bin froh, dass wir bei so einem traditionsreichen Rennen unter diesen erschwerten Bedingungen auf das Podium fahren konnten. Vielen Dank an das Team und meine Fahrerkollegen!“

VLN 5 – der nächste Sieg

Weiter ging es beim fünften VLN-Lauf, dem ROWE 6h-Rennen. Diesmal konnte Patrick auf die Hilfe von AMG-Star Maro Engel vertrauen, mit dem er sich das Cockpit des AutoArenA-AMGs teilte. Und diese Kombination zeigte sich unschlagbar. Nachdem Maro die Pole Position eingefahren hatte, lief auch im Rennen alles glatt und die beiden belohnten sich am Ende mit dem klaren Gesamtsieg.  “Ich freue mich wirklich sehr über meinen zweiten VLN Sieg in Folge und bedanke mich bei meinem Team Black Falcon und Maro Engel für die super Arbeit!”

VLN 6 – Patrick schafft den Hattrick!

Nun schien es, als ob Patrick Assenheimer nicht mehr zu bremsen wäre. Bei VLN 6 startete er wieder mit Manuel Metzger im AutoArenA AMG. Das typische Eifel-Wetterchaos machte allen Beteiligten das Leben schwer. Patrick und Manuel aber flogen nur so über die Wassermassen. Patrick startete auf Rang vier und übernahm schon in seinem Stint die Führung. Metzger verteidigte sie souverän und fuhr als Erster durch das Ziel. Somit hatte Patrick Assenheimer einen klaren Hattrick geschafft, eine Leistung, die das letzte Mal vor über 10 Jahren in der VLN vollbracht wurde. Für uns die Gelegenheit, Patrick mit einer Special Edition unseres MIB-Shirts zu überraschen. “Ich bin sprachlos! Man erhofft sich natürlich immer viel, und wir wussten, dass wir ein gute Performance haben, aber in der Grünen Hölle weiß man nie- gerade bei diesen Wetterbedingungen und der starken Konkurrenz!”

Blancpain Barcelona – Podium beim Finale und Vize-Meister

Im Anschluss stand schon das Saisonfinale im Blancpain Endurance Cup in Barcelona auf dem Programm. Mit einem weiteren Podium, nämlich dem zweiten Rang im Silver Cup, konnte Patrick seine Erfolgsserie fortsetzen. Diese Platzierung bedeutet zugleich den Vize-Titel im Silvercup. Vier Podiumsplätze in fünf Rennen sprechen eine deutliche Sprache und spiegeln die starken Leistungen in dieser Saison wieder. “Bin einfach nur glücklich. Unsere starke Performance in Barcelona sicherte die Vizemeisterschaft im Silver Cup. Die konstant gute Leistung über die Saison wurde somit belohnt.”

VLN 8 – Podium trotz Problemen

In der VLN waren zu diesem Zeitpunkt noch zwei Rennen zu fahren. Nach seinem Hattrick hoffte Patrick natürlich auch bei VLN 8 auf ein sehr gutes Ergebnis. Diese Hoffnungen schienen sich bereits beim zweiten Boxenstopp in Luft aufzulösen, denn der Stopp misslang komplett und Patrick, der wieder zusammen mit Manuel Metzger den AutoArenA AMG steuerte, verlor mehr als zwei Minuten. Metzger, der das Auto von Patrick übernahm, ließ sich aber nicht beirren und startete eine Aufholjagd, die ihm den vierten Gesamtrang einbrachte. Da nach dem Rennen noch der Zweitplatzierte disqualifiziert wurde, rückten Assenheimer und Metzger auf den dritten Rang vor und feierten so ein weiteres Podium. “Rang drei ist wegen der Punkte sehr wertvoll, aber da wäre generell noch mehr möglich gewesen.”

VLN 9 – Sieg zum Finale und SP9-Pro Meisterschaft

Nun stand noch das große Finale in der VLN aus. Patrick hatte noch die Möglichkeit, sowohl die Meisterschaft in der Top-Klasse SP9-Pro als auch die “Speed-Trophy für das schnellste Auto zu holen. Das Qualifying fing chaotisch an. Maro Engel wurde in der ersten Runde von einem direkten Konkurrenten hinten links getroffen. Nach 30 Minuten Reparatur sicherte man sich Startplatz 5. Beim Start versuchte sich Patrick Assenheimer aus allem heraus zu halten. Nach einer Runde dann die Hiobsbotschaft, dass durch das Laub im Gitter vor dem Kühler der Motor zu überhitzen drohte. Man kam unplanmäßig zu einem Boxenstopp. Danach begann eine sensationelle Aufholjagd von Platz 31. Durch eine extrem starke Fahrleistung von Patrick Assenheimer über mehr als 2 Stunden, mit teilweise den schnellsten Rundenzeiten, brachte er das Fahrzeug wieder in Schlagdistanz zum Podium. Nach dem Fahrerwechsel auf Maro Engel, welcher souveräne schnelle Rundenzeiten fuhr und Runde um Runde den Abstand verkürzte, kämpfte sich dieser in der letzten halben Stunde von Platz fünf auf Position zwei vor. In der letzten Rennrunde verunfallte der Führende und somit stand einem weiteren Gesamtsieg nichts mehr im Wege. Zu diesem Zeitpunkt war der AutoArenA Mercedes AMG GT3 theoretisch schon Erster, da der Führende noch eine Zeitstrafe erwartete. Durch den vierten Sieg in neun Saisonrennen sicherte sich Patrick Assenheimer souverän die SP9-Pro Meisterschaft und holte sich auch die Speed Trophy für das schnellste Auto. “Wahnsinn! Bin einfach nur glücklich! So eine geniale Saison! Vielen Dank an Maro und das ganze Team Black Falcon!”

Abschließend war es wohl die richtige Entscheidung von Patrick, sich aus dem ADAC GT Masters, wo er trotz guter Leistungen durch viel Pech nie den Durchbruch schaffte, zu verabschieden und zu seinen Wurzeln – dem Langstreckensport – zurück zu kehren. Auf der Nordschleife ist der Heilbronner mittlerweile zu einem echten Siegfahrer gereift und wird auch von AMG immer mehr in den Fokus genommen. Die harten Jahre in der Vergangenheit haben ihn zu einem Top-Piloten reifen lassen.

Quelle: Christopher Otto | www.mercedes-fans.de

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